Wenn die Temperaturen sinken und der erste Frost kommt, merke ich es sofort an meinen Patienten: Mehr Anrufe, mehr Beschwerden, mehr steife Gelenke. Was viele Hundebesitzer nicht wissen: Die Kälte ist für Hunde mit Gelenkproblemen eine echte Herausforderung. Besonders Hunde mit Arthrose leiden in den Wintermonaten deutlich mehr als im Sommer.
Als Besitzerin von Enya, meiner Dackelhündin mit Rückenproblemen, kenne ich dieses Phänomen aus erster Hand. An kalten Wintermorgen braucht sie deutlich länger, um in Gang zu kommen. Aber mit den richtigen Maßnahmen können wir gemeinsam dafür sorgen, dass auch dein Hund die kalte Jahreszeit gut übersteht.
Warum Kälte den Gelenken schadet
Vielleicht kennst du das von dir selbst: An kalten Tagen fühlen sich die Gelenke steifer an, alte Verletzungen melden sich zurück. Bei Hunden ist es genauso – nur dass sie es nicht sagen können. Kälte führt zu einer Verengung der Blutgefäße. Dadurch werden die Gelenke schlechter durchblutet, weniger mit Nährstoffen versorgt und die Gelenkflüssigkeit wird „zähflüssiger“. Das Ergebnis: Die Gelenke sind steifer, die Beweglichkeit eingeschränkt und Bewegungen tun mehr weh als sonst.
Bei Arthrose-Patienten verschlimmert sich dieser Effekt noch: Die bereits angegriffenen Gelenke reagieren besonders empfindlich auf Kälte. Entzündungsprozesse können verstärkt werden, und der Abbau des Gelenkknorpels schreitet schneller voran.
Aufwärmübungen vor dem Spaziergang
Genau wie bei menschlichen Sportlern gilt dies auch für Hunde: Aufwärmen ist wichtig! Besonders im Winter solltest du deinen Hund nicht direkt von der warmen Couch in die Kälte schicken.
Warum Aufwärmen so wichtig ist: Durch sanfte Bewegungen wird die Durchblutung angeregt, die Gelenkflüssigkeit wird wieder geschmeidiger und die Muskeln werden auf die bevorstehende Belastung vorbereitet. Das reduziert das Verletzungsrisiko und verringert Schmerzen.
Mein 5-Minuten-Aufwärmprogramm für zuhause:
Übung 1 – Sanfte Massage (2 Minuten): Massiere die betroffenen Gelenke mit kreisenden Bewegungen. Bei Hüftproblemen massiere die Hinterläufe, bei Rückenproblemen den gesamten Rücken. Übe nur leichten Druck aus – das soll angenehm sein, nicht schmerzhaft.
Übung 2 – Passive Bewegungen (2 Minuten): Wenn dein Hund entspannt liegt, bewege die Beine vorsichtig durch. Strecke und beuge die Gelenke langsam und sanft. Das mobilisiert die Gelenke, ohne dass der Hund sie belasten muss.
Übung 3 – Leckerli-Gymnastik (1 Minute): Lass deinen Hund sich für ein Leckerli strecken – nach oben, zur Seite, nach hinten. Das aktiviert die Muskulatur und bringt den Kreislauf in Schwung.
Diese Übungen solltest du wirklich noch drinnen machen, bevor ihr rausgeht. Sie dauern nur wenige Minuten, können aber einen großen Unterschied machen!
Der richtige Winter-Spaziergang
Auch der Spaziergang selbst sollte im Winter anders gestaltet werden als im Sommer:
Kürzere, häufigere Runden: Statt einer langen Runde am Tag lieber mehrere kürzere. Das verhindert Überlastung und dein Hund muss nicht zu lange in der Kälte sein. 3-4 Runden à 15-20 Minuten sind besser als eine Stunde am Stück.
Die richtige Tageszeit: Gehe, wenn möglich in den wärmsten Stunden des Tages spazieren. Mittags ist es meist ein paar Grad wärmer als morgens oder abends. Bei extremer Kälte (unter -10°C) sollten nur kurze Gassirunden stattfinden.
Tempo anpassen: Lass deinen Hund langsam laufen. Keine wilden Ballspiele auf gefrorenem Boden! Die Gefahr von Zerrungen und Muskelrissen ist bei Kälte deutlich höher. Gemütliches Schnüffeln ist im Winter besser als Rennen und Toben.
Warnsignale beachten: Wenn dein Hund zittert, eine Pfote hochhebt, humpelt oder einfach nicht mehr weitergehen möchte – brich den Spaziergang ab. Das sind klare Zeichen, dass es zu kalt oder zu viel ist.
Meide Straßen, in denen du schon das Salz auf der Straße liegen siehst! Denke daran, die Pfoten nach dem Spaziergang zu reinigen und zu pflegen.
Hundemantel: Ja oder Nein?
Die Frage nach dem Hundemantel spaltet die Hundebesitzer. Meine Antwort als Physiotherapeutin: Es kommt darauf an!
Wann ein Mantel sinnvoll ist:
Bei kleinen Hunden mit wenig Unterwolle (Chihuahua, Zwergpinscher, etc.)
Bei kranken oder geschwächten Hunden
Bei Senior-Hunden mit Gelenkproblemen
Bei Hunden mit Rückenproblemen (wie Dackel!)
Bei frisch operierten Hunden
Wenn dein Hund sichtbar friert (zittert, gekrümmter Rücken)
Worauf beim Kauf achten:
Gute Passform: Nicht zu eng, nicht zu weit.
Bewegungsfreiheit: Der Mantel darf nicht einengen.
Nimm den Hund auf alle Fälle mit zum Kauf – probiere es dort gleich an.
Trocken halten: Wasserdicht bei Schnee und Regen
Nicht zu warm: In der Wohnung sofort ausziehen!
Wann kein Mantel nötig ist:
Bei großen, robusten Rassen mit dichtem Fell
Bei jungen, gesunden Hunden
Wenn der Hund viel in Bewegung ist
Enya trägt bei Temperaturen unter 5°C und bei längeren Spaziergängen einen leichten Mantel. Das hat ihre Rückenbeschwerden im Winter deutlich reduziert.
Das richtige Umfeld zuhause
Die Kälte draußen ist nur die halbe Miete – auch zuhause kannst du viel für deinen Hund tun:
Warmer, weicher Schlafplatz: Der Schlafplatz sollte im Winter besonders warm und weich sein. Orthopädische Hundebetten mit Memory-Schaum entlasten die Gelenke. Eine zusätzliche Decke sorgt für Wärme.
Wichtig: Der Platz sollte erhöht sein (nicht direkt auf kalten Fliesen) und nicht in der Zugluft stehen.
Zugluft vermeiden: Achte darauf, dass dein Hund nicht in der Zugluft liegt – besonders nicht im feuchten Fell nach dem Spaziergang! Fenster und Türen sollten nicht in der Nähe des Schlafplatzes sein.
Wärmekissen und -decken: An besonders kalten Tagen kann eine Wärmedecke oder ein Körnerkissen (lauwarm, nicht heiß!) auf den schmerzenden Gelenken wahre Wunder wirken. Aber Achtung: Nie unbeaufsichtigt und nie zu heiß!
Rutschfeste Böden: Glatte Böden sind im Winter besonders problematisch. Hunde mit Gelenkproblemen haben Schwierigkeiten, auf rutschigen Fliesen Halt zu finden. Das führt zu Verspannungen und Schonhaltungen. Teppiche oder rutschfeste Matten können hier helfen – besonders an kritischen Stellen wie vor der Tür oder auf dem Weg zum Futternapf.
Bei meinen Hausbesuchen in Bietigheim-Bissingen und Umgebung schaue ich mir genau an, wie das Zuhause gestaltet ist und wo wir Verbesserungen vornehmen können. Oft sind es Kleinigkeiten, die einen großen Unterschied machen!
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Nicht jeder Hund braucht im Winter Physiotherapie – aber viele profitieren davon! Wenn dein Hund zu folgenden Gruppen gehört, solltest du über eine physiotherapeutische Begleitung nachdenken:
Hunde mit diagnostizierter Arthrose
Senior-Hunde (ab ca. 7-8 Jahren, bei großen Rassen früher)
Hunde nach Operationen
Hunde mit Rückenproblemen
Hunde, die im Winter deutlich steifer sind als im Sommer
Vorteile der Hausbesuche im Winter: Gerade bei kaltem Wetter ist es für deinen Hund viel angenehmer, wenn ich zu euch nach Hause komme. Kein Transport in der Kälte, keine Fahrt im kalten Auto, keine fremde Praxis. Ich bringe alles mit, was ich brauche – und dein Hund kann direkt im Warmen behandelt werden.
Langzeitbetreuung: Bei chronischen Gelenkproblemen ist eine kontinuierliche Begleitung über die Wintermonate oft sinnvoller als einzelne Behandlungen. Wir können gemeinsam einen Plan erstellen, wie dein Hund gut durch den Winter kommt – und ich zeige dir Übungen, die du täglich zuhause machen kannst.
Fazit: Gemeinsam durch den Winter
Die kalte Jahreszeit ist für Hunde mit Gelenkproblemen eine Herausforderung – aber keine
unüberwindbare! Mit den richtigen Maßnahmen kann dein Hund auch im Winter eine gute Lebensqualität haben:
Aufwärmen vor dem Spaziergang
Kürzere Runden zur wärmsten Tageszeit
Bei Bedarf einen Hundemantel
Warmes, weiches zuhause ohne Zugluft
Bei chronischen Problemen: professionelle Unterstützung
Enya zeigt mir jeden Winter aufs Neue, wie wichtig diese Maßnahmen sind. Mit der richtigen Betreuung genießt sie auch kalte Tage – wenn auch ein bisschen langsamer und vorsichtiger als im Sommer. Und das ist völlig in Ordnung!
Dein Hund kämpft mit der Kälte? Vereinbare einen Termin für eine professionelle Beurteilung und individuelle Übungen für zuhause. Ich komme ganz bequem zu dir nach Hause in Bietigheim-Bissingen und Umgebung – so bleibt dein Hund im Warmen und wir können gemeinsam dafür sorgen, dass er gut durch den Winter kommt.
